#FEHLERKULTUR

Der Schweizer Business Angel of the Year 2017 - Philip Bodmer - hat in seiner Keynote zum Investor Summit 2018 in Liechtenstein, ausdrucksvoll und gekonnt das Thema Risiko auf den Punkt gebracht. Risiko bedeutet demnach, das Bewusstsein zu haben, dass die Investition gleichzeitig einen Totalverlust bedeuten kann. Zudem muss man seiner Erfahrung nach, für Überraschungen bereit sein. Zu guter Letzt setzt der ausgezeichnete Business Angel noch einen drauf und bringt das "Glück" ins Spiel, welches eine ganz grosse Rolle spielt. Gleichzeitig sensibilisiert er das Publikum darauf, dass Glück und Pech ganz nahe beieinander liegen.

 

Jetzt frage ich Sie als Leser, wie stehen Sie eigentlich zum Scheitern? Gehören Sie unabhängig von ihrem Alter zu den vereinfachenden Schwarz-Weiss-Denkern, also Erfolg versus Scheitern, oder haben Sie bereits ein umfassenderes Verständnis unternehmerischen Handelns (Ausprobieren, Versuchen, Wagen, Lernen, Testen)?

Meine beiden Lieblingsautoren und gleichzeitig Managementvordenker Anja Förster und Peter Kreuz haben sich ebenfalls mit dem Thema "Scheitern" auseinandergesetzt und dazu folgende Aussage getätigt: "In einer Organisation, die innovativ sein will, sind Untätigkeit und Furcht vor dem Risiko die schlimmsten Fehler." Noch deutlicher und provokanter war das folgende Bild, mit dem dazupassenden Satz: "Wer nie auf die Nase fallen will, sollte weiter auf dem Boden kriechen."

 

Fakt ist, wir können eine praktisch fehlerfreie Organisation aufbauen oder eine sehr anpassungfähige (agile) Organisation - aber nicht beides zusammen!

So gesehen ist Fehlerfreiheit der Feind der Zukunftsfähigkeit, so die Kernbotschaft von Förster & Kreuz.

 

Für unser Verständnis sind Untätigkeit und Furcht vor dem Risiko die schlechtesten Begleiter, wenn es um die relevante Erlangung von Anpassungs- und Gestaltungsfähigkeit für die Zukunft geht. Damit sind diese beiden Faktoren - Untätigkeit und Furcht vorm Risiko - die schlimmsten Fehler an sich. Anja Förster und Peter Kreuz meinen: "Wir müssen schneller Fehler machen, um schneller zu lernen, um schneller Erfolg zu haben." Einmal mehr unterstreichen sie deren Aussage mit dem provokanten Satz: "Nur Nieten machen keine Experimente."

 

Unserer Erfahrung nach, benötigt es die Mitarbeitenden und damit die Menschen, die sich dem Umgang mit dem Wandel wirklich hingeben. An dieser Stelle zeigt sich deutlich, dass bereits unternehmerisch "hart gescheiterte" Persönlichkeiten, im Umgang mit dem aktiven Wandel, viel sensibler, strukturierter und vielleicht auch feinfühliger - auftauchende Risiken betreffend - agieren und handeln.

 

Wie viele erfolgreiche Menschen, machen von sich aus deutlich, wie viele vorangegangene Fehlschläge letztlich zu deren aktuellen Erfolg beigetragen haben?

 

Frank Thelen beispielsweise, vielen unter uns bekannt aus der VOX TV-Show "Die Höhle des Löwen", stand um die Jahrtausendwende (2000) kurz vor der privaten Insolvenz und kennt vermutlich sehr gut sämtliche Höhen und Tiefen eines Unternehmers. Heute ist er ein "Hidden Champion" und wurde mehrfach ausgezeichnet. Frank Thelen gilt heute als europäischer Serien-Grüner und erfolgreicher Frühphasen-Investor. Er gründet seit über zwei Dekaden "disruptive Start-ups" und hat dabei über 100 Millionen Kunden in mehr als 50 Ländern erreicht.

 

Wir stehen dafür ein, dass dem Thema tolerante und fehlerfreundliche Unternehmerkultur, allgemein eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten wird, indem wir uns in einem der insgesamt sechs Gestaltungsräume unseres enhance+ Ansatzes, mit den Mitarbeitenden intensiv  auseinandersetzen und ein entsprechendes Bewusstsein dafür schaffen. Wir sind davon überzeugt, dass dem Thema auch seitens Politik, Wirtschaft und Medien mehr Aufmerksamkeit gegeben werden sollte.

 

In einem Essay schrieb Michael von und zu Liechtenstein: "Da in vielen Bereichen Scheitern als Schande gilt, wird dem Scheiternden keine zweite Chance eingeräumt." Doch wo immer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt stattfinden sollte, sei auch der Mut zum Risiko zwingend notwendig. 

 

Prüfen Sie also im Vorfeld Ihre persönliche Einstellung und vielleicht auch Ihre inneren unbewussten Überzeugungen zum Thema "Scheitern, Fehler machen, ..." und werfen Sie diese über Board. Probieren Sie gezielt Umwege aus, denn die Neugier etwas Auszuprobieren was man zuvor noch nie gemacht hat, ist definitiv eine wichtige Kraftquelle. Versuchen Sie Herausforderungen spielerisch mit den Mitarbeitenden und deren Potenzialen zu begegnen. Seien Sie der Leader, der die Mitarbeitenden zu deren Kunst Ihrerselbst begleitet, denn erfolgreiche Künstler zeichnet die Selbstbestimmtheit aus. 

 

AGIL. SELBSTBESTIMMT. ZUKUNFTSWEISEND.

 

 

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